Die Dolomiten verbinde ich eigentlich immer mit ziemlich vielen Menschen – selbst in der Nebensaison sind beispielsweise noch viele auf dem Dolomitenhöhenweg 1 unterwegs. Sucht ihr etwas, wo das nicht so ist? Dann willkommen in den Friulanischen Dolomiten, auf dem Anello Dolomiti Friulane.

Wie der Name schon sagt – es handelt sich um einen Ringweg. Dieser verbindet 4 Hütten, Rifugi, in diesem noch eng umgrenzten Gebiet. Der Zustiegsort ist Forni di Sopra. Dementsprechend ist der eigentliche Ringweg 4 Tage lang – für eine komplette Wanderwoche kommen dann die obligatorische Eingehtour am ersten Tag dazu sowie eine schöne Anwanderung auf einem Höhenweg, auf dem man die Friulanischen Dolomiten schon einmal von etwas weiter weg betrachten kann. So die Theorie…

In der Praxis erwischten wir genau die Woche, in der der Wettersturz von sehr heißem Wetter zu einer Kaltfront stattfand. Nachdem am Samstag bei der Anreise selbst noch in Ampezzo fast 30 Grad waren, wurde es (zum Glück!) am Sonntag schon kühler, und auch schon bewölkt. Die Sicht war auf unserer Runde hoch über Sauris, einer deutschsprachigen Enklave, nicht mehr klar, aber das Wetter blieb bis in den Abend hinein stabil.

Angesagt waren dann tagelange Gewitter mit seeeehr viel Regen. Wir hatten Glück im Unglück – am Montag morgen früh fing es an zu gewittern und zu schütten, dass eigentlich klar war: die Welt geht heute unter. Aber schon um 10 Uhr war diese Gewitterfront durchgezogen, und es regnete „nur“ noch. Wir verkürzten dann den Aufstieg zur Rifugio Giaf soweit wie möglich – aber selbst nach den 45 Minuten bergauf waren wir komplett durchgeweicht. Zum Glück war dort der Holzofen an, und unsere Sachen (und nicht nur unsere) trockneten bis zum nächsten Morgen. Das Team, das die Hütte führt, nahm die Situation entspannt und locker, und wir genossen die Hütte ohne Budenkoller.

Das Wetter wurde in den nächsten Tagen sukzessive besser: Am Folgetag fing es erst an der Höllenscharte an zu regnen – und vorher genossen wir beim Aufstieg und beim anschließenden leichten Auf und Ab wunderbare Weitblicke und den Anblick der Dolomitenzacken. Dennoch – wir waren komplett durchnässt, als wir auf der Rifugio Flaiban-Pacherini ankam. Eine wunderbare Crostata versüßte uns aber das Ankommen.

Für den nächsten Tag war zwar die Wettervorhersage gut, aber ein Blick nach draußen sagte uns – es würde wohl noch etwas weiter regnen. Wir brachen trotzdem auf: die richtige Entscheidung, denn nach etwa einer halben Stunde hörte der Regen auf, und wir bewältigten den teilweise schwierigen Anstieg zum Passo del Mus im Trockenen. Der starke Regen hatte den Weg an einigem Stellen weggespült und Schutthalden an deren Stelle gesetzt. Danach ging es nur noch entspannt abwärts. Und ja, ca. eine halbe Stunde, bevor wir die Rifugio Pordenone erreichten, fing es wieder an zu regnen.

Die Rifugio war aber hervorragend mit Trockenständern ausgerüstet, und so traten wir die Königsetappe am nächsten Morgen über die Löwenscharte mit trockener Ausrüstung und bei Sonne (!) an. Nach fast 3.,5 Stunden im Aufstieg (mit Pausen) war es soweit – wir waren oben, und hatten uns das Lunchpaket unten am roten Biwak in der Senke redlich verdient! Noch einmal hinauf zur nächsten Scharte – und dann den langen Weg zur Rifugio Padova abwärts. Die Rifugio Padova ist eiin Bilderbuchtraum – eine hübsche Hütte aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, grüne Weiden und mit einem tollen Dolomiten-Panorama.

Zu schade, dass der Nebel am nächsten Tag uns zunächst die Sicht versperrte. Aber je länger wir auf dem Weg zur Rifugio Giaf stiegen, desto freier wurde der Blick. Und an diesem Tag begegneten wir dann auch Menschen – vorher sahen wir tagelang nur die 3 anderen kleinen Grüppchen, die die gleiche Strecke wanderten. Auf der Rifugio Giaf angekommen, wartete schon das MIttagesssen – eine letzte Stärkung, bevor wir zur Abschlussübernachtung ins Tal absteigen und nach Villach weiterfahren.

Für mich war das bestimmt nicht die letzte Wanderung in den Friulanischen Dolomiten!

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