Die letzte Hüttentour in diesem Jahr. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man weiß, dass die Sommersaison in den Alpen sich dem Ende zuneigt. Die Hütten gehen eine nach dem anderen in den Winterschlaf… Einer nach dem anderen ist ein gutes Stichwort für die Tour – denn in der letzten Woche vor der Tour meldeten sich gleich 3 Teilnehmer krank. Daher starteten wir mit 4 Teilnehmern des DAV, Sektion Bremen, plus Guide in die Tour.

Dafür wurde es tatsächlich eine Tour der Superlative: Ich hatte große Teile der Tour ja bereits letztes Jahr schon einmal gemacht. Irgendwie scheinen mir aber dabei die schönsten Teile damals entgangen zu sein. Damals hatte ich die Anfangsetappe (wegen Schwierigkeitsgrad) und die Endetappe (wegen Streiks) abgewandelt. Dieses Mal ergaben sich Änderungen der Strecke aus den verfügbaren Rifugi – Änderungen, die die Tour unglaublich bereicherten. Aber der Reihe nach.

Nach der Schrumpfkur unserer Gruppe hatten wir auf einmal zwei große Maisonette-Wohnungen für 5 Personen – 3 Damen und 2 Herren. Dort war natürlich herrlich Platz, und ein fürstliches Basislager für die ersten 2 Nächte in St. Cristina. Wir verbrachten unsere Eingehtour am Sonntag bei bestem Wetter auf dem Monte Selvia. Dort war mit wenig Betrieb, während rund um Seceda und Col Raiser der Bär los war… natürlich nur im übertragenen Sinne.

Am Montag wurde es dann ernst: Nach einem ausgiebigen Frühstück im local in St. Cristina (hervorragend!) fuhren wir mit der Gondel zum Col Raiser… und dort begann die Tour. Der Weg zur Forcella Sieles wurde gerade von den Mitarbeitern des Naturparks nach den Erosionen der vergangenen Woche instand gesetzt und neu markiert – wirklich große Klasse!

Das sich auf dem Grat anschließende Drahtseilstück samt großem Schritt über den Abgrund meisterten alle souverän. Einige Zeit später machten wir auf der Puezhütte unsere verdiente Mittagspause. Dann ging es in Richtung Rifugio Gardenaccia. Immer neue Blicke Richtung Fanes – Sennes taten sich auf, es ging über eine einsame Hochebene… und kurz vor der Hütte ließ sich auch ein Murmeltier ganz aus der Nähe fotografieren.

Die wohl beste Halbpension wartete auf uns… Essen à la carte für alle drei Gänge – lecker!!! Der nächste Tag führte uns dann über Corvara in den dazugehörigen Skizirkus. Das ist gewöhnungsbedürftig nach einem langen recht einsamen Tag, und definitiv nicht die Lieblingsetappe der Teilnehmer. Das geht besser! Dafür war das Hotel Ai Pini wie immer ein sehr gastfreundlicher Ort mit dem Prädikat „Beste Frühstück der Tour“.

Die Fanes-Sennes-Hochebene am nächsten Tag versteckte sich nach einiger Zeit in immer dichter werdenden Wolken. Nach einiger Zeit fing dann auch noch an zu regnen. Dennoch lichteten sich die Nebel ausreichend, um die großartigen Berge zu bestaunen – und auch vom Fenster der Pederü hatten wir ein geniales Panorama. Uns blieb jedoch besonders der Fahrradfahrer im Gedächtnis, der sein Fahrrad und schwere Packtaschen den Aufstieg zum Col de Locia hochtrug. Das tat er in Etappen und musste dabei mehrmals hoch- und runterlaufen. Ob er es wohl geschafft hat? Wir haben ihn nicht wieder gesehen.

Aufwärts auf der steilen Militärstraße am nächsten Morgen und weiter auf der Königsetappe. Knapp acht Stunden Gehzeit bis zur Dürrensteinhütte auf der Plätzwiese. Auch hier wieder ein Superlativ nach dem nächsten: die Schrofen hinter der Seekofelhütte, weite Blicke auf andere Dolomitenstöcke rundherum, der große Felssturz vor der Rossalm, der erste Blick auf die Drei Zinnen… grandios.

Nach einer erholsamen Nacht in der Dürrensteinhütte brechen wir zu den Drei Zinnen auf. Wir nutzen eine Alternativroute über die Rifugio Auronzo. Diese Route bietet neben dem Zinnenpanorame „von hinten“ auch einen lieblichen Aufstieg immer am Bach entlang, mit einem tollen Mittagspausenplätzchen. An der Mautstation kreuzen wir die Fahrstraße, und dann geht es zur Auronzohütte hinauf. Oben fühlen wir uns fast wie in Hamburg auf der Mönckebergstraße… es ist voll.Voll mit Menschen, die mit Bus und Auto hochgekommen sind und auf einen Freitag nachmittag bei schönem Wetter den Berg genießen. Sehr ungewohnt!

Prima, dass die Lavaredohütte nicht so weit weg ist, und auch die Menschen allmählich vom Berg gehen – so bleibt uns die Ruhe am Abend – und das fast einsame Drei-Zinnenerlebnis am nächsten Morgen. Da wir schon oben sind und auch noch vor 8 Uhr losgehen, haben wir nur wenige MItwanderer – und das bleibt auch bis zum Abstieg zur Comicihütte so – genug Zeit, um das Panorama zu genießen. Voll mit den Eindrücken steigen wir ins Tal ab – weit über 100 Wanderer kommen uns im Aufstieg trotz der MIttagesstunde noch entgegen. Die Zivilisation, in die wir zurückkehren, fühlt sich unwirklich an – und es ist viel Wehmut dabei, als wir in Bus und Bahn steigen, um Richtung Bozen zurückzufahren.

Den Original-Geotrail findet ihr hier.

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